© Salatkirmes Germerode 2026
Salatkirmes Germerode                          … fällt im Jahr 2026 leider aus!!!

Rede der Kirmesbeerdigung am 01. Juni 2025 von Kirmespfarrerin Anna

Schellhase

LLiebe Kirmesgemeinde, liebe Suffziegen, Freibiergesichter, Trunkenbolde und alles, was sich sonst hier noch an sensationsgeilen Schaulustigen versammelt hat. Und natürlich auch, liebe Ex-Burschen oder Ex-Funktionäre in irgendwelcher Form. Besonders die beiden Kirmesväter vom letzten Jahr. Wir haben uns heute hier eingefunden, um unsere geliebte Salatkirmes zu Grabe zu tragen. Ganze 4 Tage weilte sie unter uns. Früher lag die Lebenserwartung mal höher, aber auch diese 4 Tage hatten es in sich. Wenn ich so in eure vom Verfall gezeichneten Gesichter gucke. Nach der viertägigen Hopfen-Smoothie-Intensivkur und des damit einhergehenden Dauerdurchfalls, ist nun an der Zeit, sie ins kühle Dreckloch zu schmeißen, wo sie ein Jahr ruhen und hoffentlich wieder auferstehen wird. Nun bitte ich euch, liebe Kirmesgemeinde, eure gichtgeschwollenen Hände zu falten und gemeinsam unseren Sünden der letzten Tage zu gedenken. Unsere kleine beschauliche Kirmes hat in den letzten paar Jahren viel erlebt. Von Einsparungen, Traditionsabbau und Neuerungen gezeichnet, ist sie ziemlich mitgenommen. Man könnte sagen, genau wie die Jugend von heute ist sie in ihrer Selbstfindungsphase. Sie wird wahrscheinlich demnächst nach Berlin ziehen und mit blauen Haaren und einem Nasenring in unser Bummskaff zurückkommen. Sei's drum. Nun aber einmal zu einer erfreulichen Nachricht: Zum ersten Mal seit langer Zeit haben wir es mal wieder mit einer Kirmesjugend zu tun, der die Kirmes nicht komplett am Arsch vorbeigeht. Die Wahl des Kirmes-Teams 2025 ging schnell und unkompliziert vonstatten. Rosanna O., die Frau mit den dicksten Eiern in ganz Germerode. Dann haben wir Samuel H. Spitzname die Kackwurst. Jannik S. der Highe mit kurzzeitiger Heimwegdemenz. Und Luca S., der auswärtige antialkoholische Vegetarier. Wir sollten die Kirmes dieses Jahr aus dem Loch holen und alles für die systematische Massenabfüllung herrichten. Im Hintergrund ein starkes Team von Germeröder Urfamilien. Ich finde, das ist auch noch mal einen Applaus wert. Dann haben wir Läufer Elias S., endlich darf ich saufen. Und Fahnenträger Hendrik, ich hab's immer Z. Die machten die Gruppe der Dorfmaskottchen komplett. Hier gibt es zum Glück auch noch keine Ausfälle zu beklagen, so wie letztes Jahr. Die Vorbereitungen liefen reibungslos, jedenfalls wurde mir vom Germeröder Buschfunk nichts Gegenteiliges in den hohen Norden zugetragen. Man hatte ja immerhin in dieser Gruppe viele Jahre Kirmes-Erfahrung versammelt. Plus die Blaupause von der letzten Feier des familiengeführten Betriebs Schützenverein e.V. Da kann ja nichts mehr schiefgehen. An der handwerklichen Begabung unserer Burschen und Maichen scheiterte es aber schon mal. Beim Plakate zusammenschustern wurde Kirmesvater Thomas S. im Urlaub angeklingelt mit der Frage, wie man denn nun die Plakate auf die Leinwand geklebt und Löcher reingebohrt bekomme. Aber insgesamt scheint es ja mit der Propaganda doch ganz gut geklappt zu haben. Fehlt ja eigentlich nur noch das Zelt für die feierwütige Meute. wo unsere Burschen und Maichen dieses Relikt aus vergangenen Tagen ausgegraben haben, ist mir aber auch schleierhaft. Wahrscheinlich ein Überbleibsel der ersten Zeltkirmes von vor 45 Jahren. Na ja, irgendwo muss die Tradition ja hin. Boden kaputt, Dachplatten zu kurz und zu allem Überfluss steht das Ding auch noch falsch rum. Erster Kontrollgang über den Festplatz. Donnerbalken Deluxe check. Cocktailbude check. Fressbuden ebenfalls check. Aber nach Karussell, Luftballon und Schießbude hielt ich vergeblich Ausschau. Wo soll denn nun die neue Generation Kirmesjugend festgeschnallt werden, während sich die Erzeuger die Lappen vom Zaun prügeln? Na ja, egal, wird schon irgendwie gehen. Früher haben wir ja auch mit Wäscheklammern gespielt. Das traditionelle Maibaumpflücken markiert ja nun schon seit Jahren den Startpunkt des jährlichen Massenbesäufnisses. Da unsere Burschen und unser Maichen aber auch dieses Jahr auf Work-Life-Balance achten, fand sich die Trümmertruppe, bestehend aus einigen Ex-Burschen, der überwiegend weiblichen und minderjährigen Kirmesjugend und ein paar sonstigen Bierdurstigen, erst um 10 Uhr am Anger ein. Zwischendurch wurde der Bierbestand mit Sorge beäugt. Geburtstagskind und Ex-Bursche Tobi Zingizett kommentierte dazu mit Blick auf die ganzen Hormonraketen ganz trocken: "Ums Bier mache ich mir hier keine Sorgen, eher um die Fanta." Um die Kräfte zu schonen, ging es mit dem Mohnschneckengefährt nun Richtung Wald. Zugfahrer Christian G. tat sein Bestes, die Forstpraktikanten zum Ziel zu bewegen. Das Gespann ächzte unter der Last trotzdem wie ein kurz vorm Gnadentod stehender Esel. Angekommen an der Pflückstelle schritt die Apfelschorlen-Armee sofort fleißig zur Tat, bis das Arschwasser die Kimmer runterläuft. Die Hopfenfraktion macht es sich erst mal bequem. "Ich bin ja auch nicht hier, um was zu machen", fasste Tom T. die Arbeitsmoral der üblichen Freibiergesichter zusammen. Ab hier überschlugen sich plötzlich die Ereignisse, und alle Organisation war dahin. Läufer Elias S. war mit den Gedanken wohl schon bei seiner ersten Hopfenkaltschale, die er später von Mami angereicht bekommen sollte. Nachdem er erst mal den richtigen Anhänger finden musste und begann, die Bäume falsch herum aufzuladen, wollte es mit dem Zählen auch nicht so richtig klappen. Vor die Hunde ging es dann auch mit der nächsten Tradition, denn das Frühstück wurde nicht im Wald, sondern auf dem Festplatz serviert. Das Motto bei den Bäumen in diesem Jahr war "Viel Holz, wenig Grün". Einigen Germerödern ist das in den letzten Jahren schon sauer aufgestoßen. So auch Ex-Bursche Volker K., der sich sowohl bei Arbeitskollege Dennis S. als auch Feuerwehrkamerad Tom T. zur Genüge beschwerte. Dennis S. und Tom T. ließen dies natürlich nicht auf sich sitzen und suchten ein besonders schönes Exemplar aus. Volker K. schaute wie ein angeschossenes Eichhörnchen, als er seinen Koloss von Baum in Empfang nahm. Es handelt sich hier um eine elfmeterhohe Birke. Zehn Personen waren nötig, um das Ungetüm Richtung „Vor der Gasse“ zu bewegen. Beschwerden über Maibaumbeschaffenheiten dürfen dieses Jahr gern an Volker K. gerichtet werden. Ich hab gehört, er hat die nötigen Connections. Die Hausteilgruppe Oberdorf wurde so schnell von Verlusten erschüttert. Denn einige Fußballer performten so wie auf dem Fußballplatz. Hinten dicht, vorne wackelig und versackten an unterschiedlichen Versorgungspunkten. Saufen bis zum Orientierungsverlust. Wir sind dabei, dachten sich auch zwei Germeröderinnen. Sie verliefen sich im eigenen Dorf und mussten von Amtsbruder Dennis S. an der Poststation eingesammelt werden. Ein Alberöder Mitbürger legte sich in einem Feld zwischen beiden Ortschaften kurz zu einem Powernap ab. Aber jetzt zum Skandal des Tages. Der Läufer muss aufgrund der spärlichen Begrünung wohl die Blätter gezählt haben, denn es fehlen über 50 Bäume. 80? 200? An das Kirmes-Team vom nächsten Jahr: Vielleicht investiert ihr hier noch mal in eine Intensivfortbildung zum Thema "Richtig zählen für Dummies". Also zurück in den Wald, während die Hälfte der Truppe im Landgasthof „Zum Mohnpalast“ einkehrte und schon einmal begannen sich die Laternen auszutreten. Der Rest der Baumverteilung verlief aber ohne bekannte Zwischenfälle und jeder Haushalt sollte einen Baum bekommen. Also schnell unter die Dusche, die Blattläuse abwaschen und direkt wieder ins Zelt. Auf dem Programm stand das traditionelle Kartoffelpufferessen mit musikalischer Untermalung durch den Musikzug Eltmannshausen und einer Darbietung der Tanzgruppe des Sportvereins. Das Kirmes-Team tat ihr Bestes, um das ausgehungerte Dorfvolk kulinarisch zu versorgen. Um 18.47 Uhr dann die Nachricht: "Kartoffelpuffer sind aus. Ja, wie? Da freut man sich schon nach schwerer Baumpflückarbeit, sich die Erdapfelfettscheiben mit Karacho in den Rachen zu stopfen und mit einem Fassbräuschen Marke AKE runterzuspülen und schon ist aus. Tja, die katastrophale Wirtschaftslage zeigt in Germerode schon erste Auswirkungen. Anschließend eröffneten unsere Burschen und Maichen die Kirmes mit dem traditionellen Eröffnungstanz. Läufer und Fahnenträger waren anscheinend noch mit Bäume zählen beschäftigt und glänzten gekonnt mit Abwesenheit. Wie immer ließ die tänzerische Darbietung zu wünschen übrig. Sollte sich aber jemand gefragt haben, wo an diesem Abend der Läuferstock geblieben war, der steckte bei Bursche Samuel H. im Arsch. Ansonsten verlief der Abend aber ohne nennenswerte Vorkommnisse. Am nächsten Morgen erreichte mich aber noch die freudige Nachricht, dass Dustin L. seiner Tanja, die er letztes Jahr auf der Kirmes kennenlernte, einen Antrag machte, welcher auch angenommen wurde. Der ist Vockeröder. Ja und? Da kann er ja nichts für. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können wir im nächsten Jahr dann vielleicht schon das entsprechende Kirmesbaby begutachten. Um 2.38 Uhr war dann Schicht im Schacht und es ging ab ins Bettchen. Freitag ist Discoabend und für unser Kirmes-Team stand aber erstmal der Unterhaltungspunkt Kinderdisco auf dem Programm, bevor DJ Ben E. am Abend wieder seine mobile Gehörreinigungsanlage auspackt, um uns den Ohrenschmalz der letzten 10 Jahre Richtung Gehirn zu drücken. Als ich gegen 23 Uhr nach einer gründlichen Leibesvisitation der Security auch endlich die heiligen Hallen des Saufvergnügens betrat, traf mich kurz der Schlag. Denn entweder wurde kurzfristig das Programm geändert und die Kinderdisco verlängert oder die Erzeuger haben sich so dermaßen die Rinne verzinkt, dass sie ihre Embryos nicht abholen konnten. Den ganzen hyperaktiven Jugendlichen scheint die Krawallbrause wohl auch zu Kopf gestiegen zu sein, denn nach Zeltschluss gegen 4 Uhr dachten sich einige Rotzlöffel noch, dass Projekt "Unser Dorf soll schöner werden" zu unterstützen und unternahm einen Streifzug durchs Dorf. Amtsbruder Dennis S. berichtete mir von einer Welle der Zerstörung im mittelschweren Ausmaß. Eine Zerstörung mittelschweren Ausmaßes überkam auch unseren Läufer. Wie einige Augenzeugen berichteten, konnte er das Zelt nicht mehr senkrechtgehend verlassen. Und auch unser Ortsvorsteher muss die Lampen angehabt haben, denn die Lampen im Ort waren aus. Beim traditionellen Ständchenspielen am Samstag war unser Läufer zum Glück wieder einsatzbereit, auch wenn sein Stock eher ihn trug als andersrum. Auch die Tradition von Festplatz 1b bei Benno Z. bzw. jetzt gegenüber am Anger lebte erneut auf. Und auch bei Familie S. im Unterdorf wurde der neue Festplatz 1C etabliert. Als sich die Ständchentruppe auch endlich mal dort einfand, war Samuel H. mit seinem Gemütszustand schon jenseits von Gut und Böse. Auch der Läufer war zwischenzeitlich auf dem Klo verschollen und musste von Ex-Läufer Paul K. vertreten werden. Anschläge auf den Läuferstab sind bis dato nicht zu verzeichnen gewesen. Bis weit nach 18 Uhr hat das Blechbläsergespann dann auch jede Station abgeklappert. Und man begab sich langsam ins Zelt, um mit der Tanzband "For You" den Abend ausklingen zu lassen. Die Zeltöffnung erfolgte um gegen 20 Uhr. Doch was musste ich hören? Maichen schläft. Bursche 1 schläft. Bursche 2 verschollen. Einzig Jannik S. schaffte es pünktlich ins Zelt und hütete brav die Kasse. Um 20.47 Uhr waren dann aber doch alle Organisatoren im Zelt versammelt und es konnte losgehen. Die Musik war jedenfalls recht nett, aber für einen Samstagabend war noch bedauerlicherweise viel Zeltboden zu sehen. Ansonsten verlief der Abend aber ohne nennenswerte Vorkommnisse. Samuel H. ist nach seinem Schläfchen von den Toten auferstanden und strahlte den ganzen Abend wie ein Honigkuchenpferd auf Crystal Meth. Um 4.06 Uhr schloss er noch mit Kirmesweise Nils Z. das Zelt ab und ließ sich um halb sechs schließlich von der Band nach Hause kutschieren. Das nenne ich mal einen Einsatz. Nicht Sauf-Mimimi, was hier sonst immer veranstaltet wird. So, Sonntag. Zeit für den Endspurt. Zeit für den Ausnüchterungsspaziergang durchs Dorf. Vorher noch den Kirmessegen empfangen und dann alles zum Umzug aufstellen. Ja, Aufstellung! Bei einem Blick gen Himmel oder auf den Regenradar war schnell klar: Irgendein Wettergott wollte den Germerödern gehörig eins auswischen. Denn fünf Minuten nach der angesetzten Zeit begann es in Strömen zu regnen. Also Planänderung und ab ins Zelt. Hilft ja alles nix. Immerhin konnte man direkt zur Theke gehen und gucken, ob der Hals noch dicht ist. Der Fanfaren-Musikzug Eschwege blieb ebenfalls noch für ein kurzes Ständchen und schepperte im dröhnenden Schädel endgültig alle Synapsen durcheinander. Ein Kompliment möchte ich hier an die Germeröder Vereine loswerden, die sich bei der Umzuggestaltung besonders viel Mühe gegeben haben. Als Umzugsersatz machten sich unsere Kirmesmaskottchen trotzdem für eine Alibirunde durchs Zelt auf den Weg. Elias S. bog beim Einlaufen ins Zelt erst mal komplett falsch ab. Hätten wir ihn im Dorf losgelassen, wäre er bestimmt drei Tage später irgendwo zwischen Alberode und Reichensachsen aufgetaucht. Die Kondition ist auch er mit der eines alterschwachen Chihuahuas zu verteilen. Die obligatorische Tanzeinlage der Burschen und Maichen war auch in diesem Jahr nicht an Taktlosigkeit zu überbieten. Luca S. war komplett überfordert, seine Kirmesbegleitung, den Burschenstock und einen Blumenstrauß gleichzeitig im Arm halten zu müssen. Samuel H. lieferte sich einen erbitterten Kampf mit seiner Schärpe. Bei dem ganzen Getrampel hatte ich kurz Angst um den 45 Jahre alten Zeltboden, aber zum Glück kamen alle unfallfrei aus der Sache raus. Bis zum Redaktionsschluss sind mir keine weiteren Eskapaden bekannt gemacht worden. Daher findet die Kirmes 2025 an dieser Stelle ihren wohlverdienten Abschluss. Ich möchte mich aber noch mal bei allen beteiligten Umsetzern, Unterstützern und allen, die trotz vieler Widrigkeiten die Verantwortung übernommen haben, für diese Kirmes bedanken. Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig und interessiert hier sowieso keine Sorgen. Die Kollekte heute Abend fließt in eine Reha für die Kirmes-Eltern, die sich das ganze Wochenende um die Scheiße kümmern mussten, die ihre Plagen angeschleppt haben.
© Salatkirmes Germerode 2026
Salatkirmes Germerode  …fällt im Jahr 2026 leider aus!!!

Rede der Kirmesbeerdigung am 01. Juni

2025 von Kirmespfarrerin Anna

Schellhase

LLiebe Kirmesgemeinde, liebe Suffziegen, Freibiergesichter, Trunkenbolde und alles, was sich sonst hier noch an sensationsgeilen Schaulustigen versammelt hat. Und natürlich auch, liebe Ex-Burschen oder Ex- Funktionäre in irgendwelcher Form. Besonders die beiden Kirmesväter vom letzten Jahr. Wir haben uns heute hier eingefunden, um unsere geliebte Salatkirmes zu Grabe zu tragen. Ganze 4 Tage weilte sie unter uns. Früher lag die Lebenserwartung mal höher, aber auch diese 4 Tage hatten es in sich. Wenn ich so in eure vom Verfall gezeichneten Gesichter gucke. Nach der viertägigen Hopfen-Smoothie- Intensivkur und des damit einhergehenden Dauerdurchfalls, ist nun an der Zeit, sie ins kühle Dreckloch zu schmeißen, wo sie ein Jahr ruhen und hoffentlich wieder auferstehen wird. Nun bitte ich euch, liebe Kirmesgemeinde, eure gichtgeschwollenen Hände zu falten und gemeinsam unseren Sünden der letzten Tage zu gedenken. Unsere kleine beschauliche Kirmes hat in den letzten paar Jahren viel erlebt. Von Einsparungen, Traditionsabbau und Neuerungen gezeichnet, ist sie ziemlich mitgenommen. Man könnte sagen, genau wie die Jugend von heute ist sie in ihrer Selbstfindungsphase. Sie wird wahrscheinlich demnächst nach Berlin ziehen und mit blauen Haaren und einem Nasenring in unser Bummskaff zurückkommen. Sei's drum. Nun aber einmal zu einer erfreulichen Nachricht: Zum ersten Mal seit langer Zeit haben wir es mal wieder mit einer Kirmesjugend zu tun, der die Kirmes nicht komplett am Arsch vorbeigeht. Die Wahl des Kirmes-Teams 2025 ging schnell und unkompliziert vonstatten. Rosanna O., die Frau mit den dicksten Eiern in ganz Germerode. Dann haben wir Samuel H. Spitzname die Kackwurst. Jannik S. der Highe mit kurzzeitiger Heimwegdemenz. Und Luca S., der auswärtige antialkoholische Vegetarier. Wir sollten die Kirmes dieses Jahr aus dem Loch holen und alles für die systematische Massenabfüllung herrichten. Im Hintergrund ein starkes Team von Germeröder Urfamilien. Ich finde, das ist auch noch mal einen Applaus wert. Dann haben wir Läufer Elias S., endlich darf ich saufen. Und Fahnenträger Hendrik, ich hab's immer Z. Die machten die Gruppe der Dorfmaskottchen komplett. Hier gibt es zum Glück auch noch keine Ausfälle zu beklagen, so wie letztes Jahr. Die Vorbereitungen liefen reibungslos, jedenfalls wurde mir vom Germeröder Buschfunk nichts Gegenteiliges in den hohen Norden zugetragen. Man hatte ja immerhin in dieser Gruppe viele Jahre Kirmes-Erfahrung versammelt. Plus die Blaupause von der letzten Feier des familiengeführten Betriebs Schützenverein e.V. Da kann ja nichts mehr schiefgehen. An der handwerklichen Begabung unserer Burschen und Maichen scheiterte es aber schon mal. Beim Plakate zusammenschustern wurde Kirmesvater Thomas S. im Urlaub angeklingelt mit der Frage, wie man denn nun die Plakate auf die Leinwand geklebt und Löcher reingebohrt bekomme. Aber insgesamt scheint es ja mit der Propaganda doch ganz gut geklappt zu haben. Fehlt ja eigentlich nur noch das Zelt für die feierwütige Meute. wo unsere Burschen und Maichen dieses Relikt aus vergangenen Tagen ausgegraben haben, ist mir aber auch schleierhaft. Wahrscheinlich ein Überbleibsel der ersten Zeltkirmes von vor 45 Jahren. Na ja, irgendwo muss die Tradition ja hin. Boden kaputt, Dachplatten zu kurz und zu allem Überfluss steht das Ding auch noch falsch rum. Erster Kontrollgang über den Festplatz. Donnerbalken Deluxe check. Cocktailbude check. Fressbuden ebenfalls check. Aber nach Karussell, Luftballon und Schießbude hielt ich vergeblich Ausschau. Wo soll denn nun die neue Generation Kirmesjugend festgeschnallt werden, während sich die Erzeuger die Lappen vom Zaun prügeln? Na ja, egal, wird schon irgendwie gehen. Früher haben wir ja auch mit Wäscheklammern gespielt. Das traditionelle Maibaumpflücken markiert ja nun schon seit Jahren den Startpunkt des jährlichen Massenbesäufnisses. Da unsere Burschen und unser Maichen aber auch dieses Jahr auf Work-Life-Balance achten, fand sich die Trümmertruppe, bestehend aus einigen Ex- Burschen, der überwiegend weiblichen und minderjährigen Kirmesjugend und ein paar sonstigen Bierdurstigen, erst um 10 Uhr am Anger ein. Zwischendurch wurde der Bierbestand mit Sorge beäugt. Geburtstagskind und Ex-Bursche Tobi Zingizett kommentierte dazu mit Blick auf die ganzen Hormonraketen ganz trocken: "Ums Bier mache ich mir hier keine Sorgen, eher um die Fanta." Um die Kräfte zu schonen, ging es mit dem Mohnschneckengefährt nun Richtung Wald. Zugfahrer Christian G. tat sein Bestes, die Forstpraktikanten zum Ziel zu bewegen. Das Gespann ächzte unter der Last trotzdem wie ein kurz vorm Gnadentod stehender Esel. Angekommen an der Pflückstelle schritt die Apfelschorlen-Armee sofort fleißig zur Tat, bis das Arschwasser die Kimmer runterläuft. Die Hopfenfraktion macht es sich erst mal bequem. "Ich bin ja auch nicht hier, um was zu machen", fasste Tom T. die Arbeitsmoral der üblichen Freibiergesichter zusammen. Ab hier überschlugen sich plötzlich die Ereignisse, und alle Organisation war dahin. Läufer Elias S. war mit den Gedanken wohl schon bei seiner ersten Hopfenkaltschale, die er später von Mami angereicht bekommen sollte. Nachdem er erst mal den richtigen Anhänger finden musste und begann, die Bäume falsch herum aufzuladen, wollte es mit dem Zählen auch nicht so richtig klappen. Vor die Hunde ging es dann auch mit der nächsten Tradition, denn das Frühstück wurde nicht im Wald, sondern auf dem Festplatz serviert. Das Motto bei den Bäumen in diesem Jahr war "Viel Holz, wenig Grün". Einigen Germerödern ist das in den letzten Jahren schon sauer aufgestoßen. So auch Ex-Bursche Volker K., der sich sowohl bei Arbeitskollege Dennis S. als auch Feuerwehrkamerad Tom T. zur Genüge beschwerte. Dennis S. und Tom T. ließen dies natürlich nicht auf sich sitzen und suchten ein besonders schönes Exemplar aus. Volker K. schaute wie ein angeschossenes Eichhörnchen, als er seinen Koloss von Baum in Empfang nahm. Es handelt sich hier um eine elfmeterhohe Birke. Zehn Personen waren nötig, um das Ungetüm Richtung „Vor der Gasse“ zu bewegen. Beschwerden über Maibaumbeschaffenheiten dürfen dieses Jahr gern an Volker K. gerichtet werden. Ich hab gehört, er hat die nötigen Connections. Die Hausteilgruppe Oberdorf wurde so schnell von Verlusten erschüttert. Denn einige Fußballer performten so wie auf dem Fußballplatz. Hinten dicht, vorne wackelig und versackten an unterschiedlichen Versorgungspunkten. Saufen bis zum Orientierungsverlust. Wir sind dabei, dachten sich auch zwei Germeröderinnen. Sie verliefen sich im eigenen Dorf und mussten von Amtsbruder Dennis S. an der Poststation eingesammelt werden. Ein Alberöder Mitbürger legte sich in einem Feld zwischen beiden Ortschaften kurz zu einem Powernap ab. Aber jetzt zum Skandal des Tages. Der Läufer muss aufgrund der spärlichen Begrünung wohl die Blätter gezählt haben, denn es fehlen über 50 Bäume. 80? 200? An das Kirmes-Team vom nächsten Jahr: Vielleicht investiert ihr hier noch mal in eine Intensivfortbildung zum Thema "Richtig zählen für Dummies". Also zurück in den Wald, während die Hälfte der Truppe im Landgasthof „Zum Mohnpalast“ einkehrte und schon einmal begannen sich die Laternen auszutreten. Der Rest der Baumverteilung verlief aber ohne bekannte Zwischenfälle und jeder Haushalt sollte einen Baum bekommen. Also schnell unter die Dusche, die Blattläuse abwaschen und direkt wieder ins Zelt. Auf dem Programm stand das traditionelle Kartoffelpufferessen mit musikalischer Untermalung durch den Musikzug Eltmannshausen und einer Darbietung der Tanzgruppe des Sportvereins. Das Kirmes-Team tat ihr Bestes, um das ausgehungerte Dorfvolk kulinarisch zu versorgen. Um 18.47 Uhr dann die Nachricht: "Kartoffelpuffer sind aus. Ja, wie? Da freut man sich schon nach schwerer Baumpflückarbeit, sich die Erdapfelfettscheiben mit Karacho in den Rachen zu stopfen und mit einem Fassbräuschen Marke AKE runterzuspülen und schon ist aus. Tja, die katastrophale Wirtschaftslage zeigt in Germerode schon erste Auswirkungen. Anschließend eröffneten unsere Burschen und Maichen die Kirmes mit dem traditionellen Eröffnungstanz. Läufer und Fahnenträger waren anscheinend noch mit Bäume zählen beschäftigt und glänzten gekonnt mit Abwesenheit. Wie immer ließ die tänzerische Darbietung zu wünschen übrig. Sollte sich aber jemand gefragt haben, wo an diesem Abend der Läuferstock geblieben war, der steckte bei Bursche Samuel H. im Arsch. Ansonsten verlief der Abend aber ohne nennenswerte Vorkommnisse. Am nächsten Morgen erreichte mich aber noch die freudige Nachricht, dass Dustin L. seiner Tanja, die er letztes Jahr auf der Kirmes kennenlernte, einen Antrag machte, welcher auch angenommen wurde. Der ist Vockeröder. Ja und? Da kann er ja nichts für. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können wir im nächsten Jahr dann vielleicht schon das entsprechende Kirmesbaby begutachten. Um 2.38 Uhr war dann Schicht im Schacht und es ging ab ins Bettchen. Freitag ist Discoabend und für unser Kirmes-Team stand aber erstmal der Unterhaltungspunkt Kinderdisco auf dem Programm, bevor DJ Ben E. am Abend wieder seine mobile Gehörreinigungsanlage auspackt, um uns den Ohrenschmalz der letzten 10 Jahre Richtung Gehirn zu drücken. Als ich gegen 23 Uhr nach einer gründlichen Leibesvisitation der Security auch endlich die heiligen Hallen des Saufvergnügens betrat, traf mich kurz der Schlag. Denn entweder wurde kurzfristig das Programm geändert und die Kinderdisco verlängert oder die Erzeuger haben sich so dermaßen die Rinne verzinkt, dass sie ihre Embryos nicht abholen konnten. Den ganzen hyperaktiven Jugendlichen scheint die Krawallbrause wohl auch zu Kopf gestiegen zu sein, denn nach Zeltschluss gegen 4 Uhr dachten sich einige Rotzlöffel noch, dass Projekt "Unser Dorf soll schöner werden" zu unterstützen und unternahm einen Streifzug durchs Dorf. Amtsbruder Dennis S. berichtete mir von einer Welle der Zerstörung im mittelschweren Ausmaß. Eine Zerstörung mittelschweren Ausmaßes überkam auch unseren Läufer. Wie einige Augenzeugen berichteten, konnte er das Zelt nicht mehr senkrechtgehend verlassen. Und auch unser Ortsvorsteher muss die Lampen angehabt haben, denn die Lampen im Ort waren aus. Beim traditionellen Ständchenspielen am Samstag war unser Läufer zum Glück wieder einsatzbereit, auch wenn sein Stock eher ihn trug als andersrum. Auch die Tradition von Festplatz 1b bei Benno Z. bzw. jetzt gegenüber am Anger lebte erneut auf. Und auch bei Familie S. im Unterdorf wurde der neue Festplatz 1C etabliert. Als sich die Ständchentruppe auch endlich mal dort einfand, war Samuel H. mit seinem Gemütszustand schon jenseits von Gut und Böse. Auch der Läufer war zwischenzeitlich auf dem Klo verschollen und musste von Ex-Läufer Paul K. vertreten werden. Anschläge auf den Läuferstab sind bis dato nicht zu verzeichnen gewesen. Bis weit nach 18 Uhr hat das Blechbläsergespann dann auch jede Station abgeklappert. Und man begab sich langsam ins Zelt, um mit der Tanzband "For You" den Abend ausklingen zu lassen. Die Zeltöffnung erfolgte um gegen 20 Uhr. Doch was musste ich hören? Maichen schläft. Bursche 1 schläft. Bursche 2 verschollen. Einzig Jannik S. schaffte es pünktlich ins Zelt und hütete brav die Kasse. Um 20.47 Uhr waren dann aber doch alle Organisatoren im Zelt versammelt und es konnte losgehen. Die Musik war jedenfalls recht nett, aber für einen Samstagabend war noch bedauerlicherweise viel Zeltboden zu sehen. Ansonsten verlief der Abend aber ohne nennenswerte Vorkommnisse. Samuel H. ist nach seinem Schläfchen von den Toten auferstanden und strahlte den ganzen Abend wie ein Honigkuchenpferd auf Crystal Meth. Um 4.06 Uhr schloss er noch mit Kirmesweise Nils Z. das Zelt ab und ließ sich um halb sechs schließlich von der Band nach Hause kutschieren. Das nenne ich mal einen Einsatz. Nicht Sauf-Mimimi, was hier sonst immer veranstaltet wird. So, Sonntag. Zeit für den Endspurt. Zeit für den Ausnüchterungsspaziergang durchs Dorf. Vorher noch den Kirmessegen empfangen und dann alles zum Umzug aufstellen. Ja, Aufstellung! Bei einem Blick gen Himmel oder auf den Regenradar war schnell klar: Irgendein Wettergott wollte den Germerödern gehörig eins auswischen. Denn fünf Minuten nach der angesetzten Zeit begann es in Strömen zu regnen. Also Planänderung und ab ins Zelt. Hilft ja alles nix. Immerhin konnte man direkt zur Theke gehen und gucken, ob der Hals noch dicht ist. Der Fanfaren-Musikzug Eschwege blieb ebenfalls noch für ein kurzes Ständchen und schepperte im dröhnenden Schädel endgültig alle Synapsen durcheinander. Ein Kompliment möchte ich hier an die Germeröder Vereine loswerden, die sich bei der Umzuggestaltung besonders viel Mühe gegeben haben. Als Umzugsersatz machten sich unsere Kirmesmaskottchen trotzdem für eine Alibirunde durchs Zelt auf den Weg. Elias S. bog beim Einlaufen ins Zelt erst mal komplett falsch ab. Hätten wir ihn im Dorf losgelassen, wäre er bestimmt drei Tage später irgendwo zwischen Alberode und Reichensachsen aufgetaucht. Die Kondition ist auch er mit der eines alterschwachen Chihuahuas zu verteilen. Die obligatorische Tanzeinlage der Burschen und Maichen war auch in diesem Jahr nicht an Taktlosigkeit zu überbieten. Luca S. war komplett überfordert, seine Kirmesbegleitung, den Burschenstock und einen Blumenstrauß gleichzeitig im Arm halten zu müssen. Samuel H. lieferte sich einen erbitterten Kampf mit seiner Schärpe. Bei dem ganzen Getrampel hatte ich kurz Angst um den 45 Jahre alten Zeltboden, aber zum Glück kamen alle unfallfrei aus der Sache raus. Bis zum Redaktionsschluss sind mir keine weiteren Eskapaden bekannt gemacht worden. Daher findet die Kirmes 2025 an dieser Stelle ihren wohlverdienten Abschluss. Ich möchte mich aber noch mal bei allen beteiligten Umsetzern, Unterstützern und allen, die trotz vieler Widrigkeiten die Verantwortung übernommen haben, für diese Kirmes bedanken. Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig und interessiert hier sowieso keine Sorgen. Die Kollekte heute Abend fließt in eine Reha für die Kirmes-Eltern, die sich das ganze Wochenende um die Scheiße kümmern mussten, die ihre Plagen angeschleppt haben.